Fast jeder verknüpft mit Ausdrücken wie "Alkoholismus", "Alkoholiker" und "Alkoholikerin" bestimmte Vorstellungen.
Aber fragen Sie doch mal Ihre Bekannten, was sie genau darunter verstehen! Typische Antworten hören sich meist so
an: "Ach ja, Onkel Manfred war Alkoholiker! Der ist dann aber auch früh an Leberversagen gestorben. - Und unser
Nachbar, der hat sein ganzes Geld versoffen, hatte zum Schluss keinen Job mehr, keine Frau und erst recht keinen
Führerschein!"
Alkoholiker - sind das nicht die, die billigen Korn trinken, in Fußgängerzonen sitzen, betteln und unter Brücken oder auf
der Parkbank schlafen?
Das kann aber nur die Spitze des Eisbergs sein, denn andernfalls bleibt der medizinisch belegte hohe Anteil von
alkoholkranken Menschen an der Gesamtbevölkerung unerklärlich.
Ein im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführte repräsentative Erhebung zum Suchtmittel gebrauch
in Deutschland kam zu den Ergebniss, dass in der Altersgruppe der 18- bis - 69 jährigen bei insgesamt 7,6 Millionen
Alkoholmissbrauch vorlag und darüber hinaus 1,7 Millionen ein massive Abhängikeit aufwiesen.
Eine von einer Pharmafirma durchgeführte repräsentative Untersuchung kam zu noch höheren Zahlen. Die Ergebnisse
solcher Untersuchungen unterscheiden sich teilweise erheblich, was vermutlich vor allem mit der hohen Dunkelziffer
der heimlich trinkenden Personen zusammenhängt.
Die meisten Menschen benutzen Begriffe wie "Alkoholiker" und "Alkoholilsmus" im Alltag,ohne genau zu wissen, was
darunter zu verstehen ist; und wie wir noch sehen werden, ist es selbst für medizinisch oder psychologisch geschulte
Personen nicht gerade leicht, die Alkoholkrankheit zu beschreiben oder zu erkennen.
Trotzdem oder gerade deshalb gibt es einiges, was jeder über Alkoholismus wissen sollte - insbesondere natürlich,
wenn es in seinem Umfeld Menschen mit Alkoholproblemen kennt. Natürlich auch , wenn er glaubt, selber gefährdet
oder abhängig zu sein.
Alles voraus die wichtigste Botschaft: Menschen mit Alkoholproblemen kann geholfen werden! Denn Alkoholismus ist keine Charaktereigenschaft und ebenso wennig ein hoffnungslos stimmender Schicksalsschlag. So zahlreich, wie die Erscheinungsformeln sind, so zahlreich sind auch die Möglichkeiten und Perspektiven für Alkoholkranke aus ihrer Sucht auszubrechen!
Neben medizinischen und psychischen Aspekten werden wir uns auch mit sozialen Problemen befassen, immer mit
dem Blick auf die Frage: Was kann ich hier und jetzt konkret tun? Und noch etwas: Alkoholismus ist fast immer
schleichender Prozess - schleichend im doppelten Sinne: Erstens verläuft es langsam, Schritt für Schritt; und zweitens
vollzieht er sich meistens im Verborgenen. Neben sozialen Kontakten und Gesundheit geht dabei auch immer die
Leistungsfähigkeit des Betroffenen zurück. Das zeigt sich besonders am Arbeitsplatz..Arbeitgeber, die ihrem Betrieb
etwas gutes tun wollen, tun am besten auch ihren alkoholkranken Mitarbeitern etwas Gutes: Sie sprechen mit ihnen
und gönnen ihnen eine Behandlung; den der einmalige Arbeitsausfall wiegt ungleich weniger schwer als
jahrzehntelange Arbeit mit halber Kraft!